69 BPM

Review-Archiv – C

Neue Reviews

Rapresidentz &ndash Zum Greifen nah (2006/Rough Trade) Vorschau

Kollegah – Boss der Bosse (Selfmade Rec./09.06.2006) Vorschau

Plaetter Pi – Führt mich zum Schotter (2006 Big Bud) Vorschau

Sprachtot – Warum noch ein Mixtape? – Aus Freunden werden Feinde Vorschau

B-Lash – Regen (Adrenalin / Beatillz 2005) Vorschau

Vit-Armin B – Dick und Dope (DOPEnt. 2006) Vorschau

Southside Records presents – Fickt Deutschland Volume 1 (2006 Soutside Records)

Peter P. – Geschichten aus der Stadt (2005 Blueblunt)

See – Salut fr Berlin (2005 Teroa Label)

100 GRap– Blackbox EP (2005 100 Grap) Vorschau

Taktloss & MC Basstard – Dogma: Gegen die Zeit (Fick die Biaaatch/2005) Vorschau

Dj Muggs & GZA The Genius – Grandmasters Vorschau

MOK – Musik oder Knast (2005/Sektenmuzik) Vorschau

MC BOGY – Geballte Atzenpower (BerlinCrimeEntertainment 2005) Vorschau

Cali Agents - Head Of The State (truestar Music/fatbeats 2004)

Eine super-DJ-freundliches Doppelvinyl von den Cali Agents flatterte am gestrigen Samstag ins Haus. Neun Titel plus Intro auf den Seiten A und B und dann - TaTa! - die Instrumentals auf den Seiten C und D. Also, Leute, aufmerksam hingehört, was der DJ im Club damit anfängt! Cali Agents sind die Summe aus Rascos harten Raps und Planet Asias Flow. Also etwas ganz feines :-). Gut, so ein richtiger Kracher ist wohl nicht dabei, dafür sind alle neun (immerhin) Titel hinreißend gut. "Go Ladies" hat einen coolen Groove und "Banger" ist ein eben solcher.
(L.M.)

Common – Be (2005 Okay Player)

Common - BeWer Commons "Be" bis zum Ende hört ist denkbar weitest weit weg von 50 Cent & Co und -- ist glücklich. Common trifft sich an der "Corner" und erzählt seine (hörenswerte) Geschichte. Als ob er es nötig hätte, helfen im die Last Poets dabei. Alles erinnerst an "The 6th Sense", aber trotzdem klingt es modern. Ist ja klar, Kanye West hat produziert. Dann ist ja klar ..., nein, so mklar nicht.

Common erzählt eine HipHop-Geschicht, die wir gerade vergessen wolten und deshalb so gerne 50 Cent und The Game zuhören, weil es Dr. Dre uns so gegeben hat. Hier aber nun gibt es die Wahrheit und Ermahnung, die Wurzeln nicht zu vergessen. Die Warnung, nicht alles auf's Ghetto zu projizieren, sondern die wahren Storys an der eigenen Ecke zu suchen (und zu erzählen).

Zum Glück (für alle Hopper) hat Common sich besonnen und das Experiment des "Electric Circus" nicht fortgesetzt, sondern an alte Erfolge angeknüpft. Danke!

Curse – Sinnflut (2005 BMG)

Curse - Sinnflut

Auf seinem letzten Albumcover saß der Mindener unter dem Schwert des Damokles, auf der "Sinnflut" hält er es in der Hand. Ist das ein Zeichen dafür, dass er nach der etwas umstrittenen LP "Innere Sicherheit" wieder zu seiner alten Art und Weise zurückkehrt, für die ihn seine Fans so lieben?

Was Curse ausgemacht hat waren durdachte Lyrics mit einem Hauch von Mystik und Flow ohne Atempausen. Sein letztes Album war anders als die bisherigen Releases. Nach eigenen Angaben wollte er musikalischer werde. Allerdings hörte man Stimmen munkeln, dass dies mehr ein Rück- als ein Fortschritt sei. Nun gut, ich will mich nicht zulange in der Vergangenheit aufhalten, die "Sinnflut" ist jetzt! Schon beim Intro bekommt man die so vertraute Mystik zu hören – die Erwartungen steigen. Die #3 im Bunde ist "Gangsta Rap", was vielen wegen des Airplays bekannt sein dürfte. Die zentrale Aussage des Inhaltes lautet ungefähr so: "Gangster Rap macht keine Gangster und über die Konsequenzen des Umsetztens der Textinhalte sollte man sich im Klaren sein". Für ihn spricht, dass er schlagende Argumente bringt wie Man es ist nicht cool im Knast zu sein/ Ich kenn keinen der sagt: Wie geil da muss ich nochmal rein!/ Ich kenn Jungs die dreimal drin warn, bis ihre Frau sie verlässt/ Und Richter verhindern den Kontakt zu den Kindern/ oder Du willst so sein wie dein Idol? So groß, so hart, so krass/ Warum willst du Knarren und Koks?/ Doch wenn der coole Rapper wirklich soviel kokst, dann wär es nicht der coole Rapper/ Denk mal nach! er wär am Arsch und broke/. Dass ist nur ein kleiner Ausschnitt seines Arsenals. Man könnte zu nahzu allen Tracks dieser LP ellenlange Analysen schreiben, es steckt nämlich eine Menge dahinter, was man nicht bei vielen Rappern behaupten kann. Der Name "Sinnflut" ist also Programm. Die Themen variieren und bleiben immer für den Hörer greifbar. Ach ja, so ganz nebenbei sollte man erwähnen, dass die Beats ein sehr hohes Level haben. Es gibt nur wenige, leichte Ausreißer nach unten. Curse beweist, das ein doper Rap keine Doppelreime braucht, er flowt wie der Teufel ohne inhaltlich Abstriche machen zu müssen. Featuretechnisch sollten Pete Rock, Samy Deluxe und Black Thought von den Roots herausgehoben werden, deren Beiträge zugleich kleine Höhepunkte markieren.

Das Fazit dürfte nicht schwerfallen: Curse hat seine Präsens in den Charts verdient, zumal er dafür nicht die Massen durch Provokation polarisieren muss und durch Qualität überzeugen kann. Er besinnt sich wieder auf seine alten Stärken. Für Rapfans ist die Platte ein Muß und selbst Leute, die sich weniger für HipHop begeistern können sollten reinhören. Die Feder bleibt stärker als das Schwert, man wird sich denken können, dass auf dem Cover Zweiteres für Ersters steht!

Firmament

Zweite Meinung

Curse ist nach 2 Jahren Abstinenz wieder da mit seinem vierten Album, und die Erwartungen liegen recht hoch. Curse ist ja schon immer dafür bekannt Texte zu schreiben in denen man Sinn und Verstand finden konnte, und auch die erste Single-Auskopplung "Gangsterrap" (die echt gutes AIrplay geniesst), hat schonmal inhaltlich einiges zu bieten. Das Cover sieht gut aus und ich bin gespannt auf die Akustik.

Und es geht los, ein Intro: düster, spirutell und mystisch stimmt ein und dann gehts direkt in einen Representer der richtig gut ist und Curse erklärt mal eben warum ER der Fluch ist. Weiter gehts mit knackigen Beats die sich, obwohl sie richtig gut sind, doch vom Einheitsbrei abheben. Und es wird gleich klar: Curse ist immernoch Curse, und es wird deutlich das Curse 'ne Menge zu sagen hat. So dreht sich viel um das Leben an sich und die Entwicklung von Curse ("Mein Leben") und dem Ich an sich. Nach dem guten Start flacht das Album nicht ab. Ein Pete Rock feature auf dem Track "Nimms Leicht", welcher echt gut ist dicht gefolgt von Tracks in denen Curse seine Ansichten preisgibt ("Struggle"). Das Album geht prima ins Ohr und Curse erzählt spannende Geschichten auf interessante Art und Weise, ob es Tracks wie "Spiritual" oder "Münze des Glücks" sind, in denen echt Konzepte stecken und man echt vor dem Radio oder im Auto sitzt und mal nachdenken kann was der Junge uns da grade erzählt. Einziges Manko ist, dass Curse technisch ein wenig hinter aktuellen Rapgrößen zurückliegt, was aber dem Album nicht wirklich schadet.

So bleibt ein Fazit zu ziehen, was mir nicht schwer fällt. Wenn man sich "SInnflut" kauft erwartet man Texte mit Sinn und Inhalt, diese Erwartung wird nicht enttäuscht, es gibt sogar jede Menge Herz und Seele dazu. Gute Beats, gute Features, gute Texte und keine Hänger. Sehr empfehlenswert !

sepimpel

Cypress Hill – Till Death Do Us Part (2005)

Cypress Hill - Till Death Do Us Part (2005)

Jaja, diese ewigen Versprechen bei der Vermählung, was heutzutage wohl nur noch unbedeutende Phrase ist, nehmen sich die 4 Jungs vom Zypressen-Hügel zu Herzen und versichern ihren Fans, dass es so schnell zu keiner Auflösung kommen wird.

Den Fans zeigen sie auf dieser LP, was sie in dem Falle wohl verpassen würden. Man besinnt sich auf die vergangen Erfolge und versucht dennoch weiterhin Rock-Elemente in die Tracks einzubauen ... sauer stößt dabei nur auf, das lediglich die Tracks mit Gitarren-Einsatz noch an die Energie der alten Sample-Beats von DJ Muggs rankommen. Schon auf dem vorletzten Album (Skulls & Bones) zeichnet sich der neue Weg der Produktionen aus, zwar sind sie vom musikalischen keineswegs schlecht, aber irgendwie ist mir unwohl beim Hören, da ich immernoch die "Hits " im Ohr habe.

Für Hardcore Fans sicher ein muss, wobei auch hier einige enttäuscht werde ndürften, sollten sich sich nicht schon seit "Skulls & Bones" abgewendet haben -- Schade. Einziger Lichtblick: "Latin Thugs", ein Alchemist-Track.

FauAhBee

Damion – "Kehrseite der Medaille" (Tempeltainment Records / Groove Attack)

Damion - Kehrseite der Medaille

Damion Davis kennt man bisher eher von Featurbeiträgen, was sich mit seinem Debütalbum „Kehrseite der Medaillie“ ändern dürfte. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, bekommt er von seinen Templetainmentkollegen Asek, Ben Salomon, Chefkoch und Micro in Form von Raps Unterstützung. Für das instrumentale Gewand sind DJ Pete, Krutsch, Mirror und Alphabeatz verandwortlich. Durch diese Vielfalt an Kombatanten und in erster Linie Damion, ist eine sehr abwechselungsreiche LP enstanden, die mit 17 Tracks neben Party, Battle und Storytelling auch einen Song mit deutlichen Nu-Metal-Einflüssen, der auch „Kehrseite der Medaillie“ heißt, beinhaltet.

Am Rande sollte erwähnt werden, dass Herr Davis Shouter einer Band ist, die sich genau dieser Musikrichtung widmet. Um seine musikalische Vielseitigkeit unwiederruflich zu beweisen muss man erwähnen, dass er sich unter dem Synonym D’Shawn auch dem Gesang und Raggae zuwendet. Prinzipiell dürfte also für jeden ein Kuchenstück dabei sein, das auf seine Geschmacksrezeptoren zugeschnitten ist. Damions Stärke liegt dann aber doch eher in der bildlichen und gefühlvollen Art zu rappen, was nicht heißen soll, dass er sich in „härteren“ Passagen nicht behaupten kann, aber um „die Cypher zu fegen“ wäre eine autoritärere Stimme vorteilhaft. Technisch sind seine Raps über Vieles erhaben und gelegentlich gesungene Hooks gehen gut ins Ohr. Was das positive Gesamtbild etwas trübt sind die gelegentlichen Denglish-Anfälle. Dafür bietet die LP definitiv ein paar Tracks mit Ohrwurmpotential wie „Fluchtversuch“, „Bis Dato“ und „Generationswechsel“.

Firmament

Danger Mouse & Jemini – Ghetto Pop Life (Lex Records)

Danger Mouse

Lex Records sitzt in London auf der Insel und scheint etwas für außergewöhnlich schönes Coverartwork übrig zu haben. Kein Interpret, kein Titel, nur jede Menge Gold sieht man auf dem Cover. Egal von welcher Seite man es betrachtet. So langsam kommt man dann dahinter, mit wem man es zu tun hat: Danger Mouse, der alle Tracks produziert hat, und Jemini, der Rapper im Duo. Mit deepen, melodischen Beats findet das ganze Album schnell Eingang ins Gehör. Jemini hat einen schönen entspannten Stil, vielleicht etwa so wie Jeru The Damaja, der ja auch ein neues Album auf dem Markt hat. Wo Ghetto drauf steht, sollte jedoch auch etwas härte drin sein. Tatsächlich entfaltet Jemini bei wiederholtem Hören einen akzentuierten Rapstil, bei dem die Crowd auch ganz gut abgehen sollte – die Hardcore-Heads sozugagen. Da sollte man mal reinhören und zum Beispiel „Bush Boys“ anskippen. Bush, kenn ich doch? Ja, richtig, der President of the na ihr wisst schon. Wer ein schönes Bush-Sample sucht, muss diese Platte haben… Also ihr merkt schon, die Jungs rappen nicht einfach daher, sondern haben darüber nachgedacht. Mehrere Tracks widmen sich der US-Amerikanischen Politik. Dazu passen dann auch die Features: Pharcyde, Prince Po von Organized Confusion oder J-Zone. Hört mal rein!

Dean Dawson – Streetlife Report

Dean Dawson - Streetlife Report

Und wieder versucht jemand, auf der neuen deutschen Welle mit zu reiten, und zwar Dean Dawson. Wer ist Dean Dawson? Achso ja, Spezializtz, der schlechtere von den beiden. So gibt's im Intro zu hören, dass ein Streetlife Report aus Berlin zu hören sein wird, so direkt aus den Straßen. Da bin ich ja mal gespannt was Dean auf seinen 75 Minuten zu erzählen hat.

Das erste, was mich stutzig macht, ist ein DMX-Feature. Gleich als dritter Track, Hölle is' der Beat fett, die Hook von DMX -- ui ui, und dann kommt der Part von Dawson, egal, der DMX-Part danach dürfte der beste Part auf einem Berliner Rapalbum ever sein, naja nicht ganz, aber er ist schon verdammt Fett und viel zu schade für ein Dean Dawson Album. Da Dawson alleine nicht sehr überzeugend ist, hat er sich in vielen Tracks Verstärkung geholt, z. B. von Samy, Afrob, D-Flame uvm. Das Album plätschert so vor sich hin. Gegen die Beats kann man nichts sagen, aber Dawson is' dermaßen wack: Flows und Reime unter Standard und sowas wie Aussage oder Sinn brauchen wir eh nicht. Ich würde ja 'n paar Zitate für schlechte Hooks und Zeilen für euch zitieren, aber ich kann mich nicht entscheiden, weil einfach zuviel Mist gerappt wird. PRAAAAAAAAK

Das Fazit ist: Finger weg von diesem Album und besorgt euch den Track mit DMX auf anderem Wege, als auf diesem Album (Maxi-Single?). Ein Album, auf dem drei DMX-Parts das Highlight darstellen, braucht kein Mensch, aber es will halt jeder ein Stück vom Kuchen abhaben, selbst die die es nicht verdient haben, wie z. B. Dean Dawson.

sepimpel

Deine Lieblingsrapper – Dein Lieblingsalbum (Aggroberlin 2005)

Sido & Harris - Deine Lieblingsrapper

So, da ist das von vielen erwartete Album der Collabo Sido und Harris, unter dem doch sehr blödem Namen "Deine Lieblingsrapper". Hm joar, ich glaub', beide Rapacts dürften bekannt sein und Features gibt's auch 'ne Menge und einen bunten Producer Mix (u. a. Beathoavenz). Das Cover ist irgendwie schon so Aggro, dass ich garnicht mehr reinhören mag, aber was tut man nicht alles an für 69bpm.de. ;)

Und wie fängt man an bei einem Album, was mein neues Lieblingsalbum werden soll? Ok, ich nehm's vorweg : NEIN, DAS WIRD ES NICHT! So, nun zum Album: Es hat 'n Intr,o 16 Tracks und 'n Outro. Demnach ist es mit 16 Tracks gut gefüllt. Und falls ihr das Gefühl habt, ich drücke mich vor 'ner Review, dann ist das richtig ;) ... Der Beat nach dem Intro geht mir gleich mal derbe auf den Keks ... also skippen wir gleich mal weiter. Der Beat ist schon besser und Sidos Hook trifft es ganz gut: "guckt mich an / ich mach nicht viel, / egal ich machs mit Stil" und das trifft irgendwo auch zu. Die Reime sind nicht die besten, vom Inhalt reden wir garnicht, aber irgendwie flowen die beiden sehr gut zusammen und es wirkt irgendwie aus einem Guss. Zudem sind die Beats bis auf wenige Ausnahmen sehr dick, manchmal schon zu dick, und sicherlich ist auch für jeden Geschmack etwas dabei. Textlich geht es um Frauen, Alkohol, Drogen, Geld und Party. Halt, Moment ... ne ne Berlin Represented wird auch noch mit ner Menge Feature-Acts. STOP! Und was ist das? Es hat sich tatsächlich ein Track, mit soetwas wie Aussage auf's Album verirrt ("Peter Frade"), der wirklich 'n seltsames Gefühl zurück lässt auch wenn die Moral fragwürdig ist, aber mit so einem Track hab ich nicht gerechnet.

Na ja, ok, es ist halt 'n Album für die Massen und es wird definitiv nicht mein Lieblingsalbum. Es wird sich auf jeden Fall gut verkaufen und man kann es hören, jedoch nicht, wenn man auf komplizierte Reime oder Inhaltsvolle Texte steht. Es ist Nivaeuloser Rap auf dicken Beats -- mehr nicht! Einziger Track, den ich empfehlen würde, wäre oben genannter "Peter Frade". Leider zu wenig Highlights für ein Lieblingsalbum.

pimpel

Dj Muggs & GZA The Genius – Grandmasters

Cover

1995. Da werden Erinnerungen wach. Ein Album hat 1995 meiner Meinung nach maßgeblich beeinflusst: “Liquid Swords“ von Genius/GZA. Ich habe vor dem Hören von „Grandmasters“ dieses gut zehn Jahre alte Teil aus meinem Plattenregal gefischt. Es ist sicher zwei oder drei Jahre her, dass ich es letztmalig gehört habe und bin angenehm überrascht. Es knallt immer noch: die schiefen, genialen, irgendwie unharmonischen Harmonien von Rza und die knochentrockene Stimme und die abstrakten Visionen vom Genius. Vielleicht war das Anhören jetzt vor der neuen Scheibe ein Fehler.

Sich mit einem zu hohen Anspruch eine neue Platte anzuhören, birgt eine Menge Probleme in sich. Lege ich die Messlatte zu hoch, kann ein vielleicht gutes und hörenswertes Album als Staubfänger im Regal enden. Vielleicht scheue ich auch davor an einem Bild zu kratzen das ich habe, vielleicht will ich einen meiner alten Helden nicht von dem Sockel stoßen auf den ich ihn selbst einmal gehievt habe. Unter Umständen bin ich gerade der alten Zeiten wegen überkritisch oder gar kleinlich.

Dabei kann man eigentlich eines gelassen zur Kenntnis nehmen. Die Welt hat sich verändert, HipHop hat sich verändert. Wie der New Economy Boom ist auch die Wu-Blase geplatzt. Der Clan hat sich zwar nicht vollkommen aufgelöst aber doch bedeutend an Einfluss eingebüßt. Markieren ein Haufen mauer Soloalben und die letzten beiden Wu-Tang Alben einen Endpunkt? Was sollte nach „Forever“ den auch noch kommen? „Is there any competition?“ fragte einst Tyron in einer Hotellobby in Amsterdam. “No, no, no!” orakelte darauf Mr. Meth. Heute wird ihn das niemand fragen. Und Veröffentlichungstermine verschieben jetzt andere.

Dj Muggs letztes Soloprojekt „Dust Advance“ war eine ganz eigene Reise, die letzte Cypress Hill Scheibe „Til Death Do Us Part“ nicht gerade State of the Art in Sachen HipHop. Beim GZA sieht das keineswegs besser aus. „Beneath The Surface“ war ein Totalausfall, „Legend Of The Liquid Swords“ konnte die Kohlen auch nicht aus dem Feuer holen. Nichts desto Trotz ist ein Lebenszeichen vom GZA immer einen Augenblick Aufmerksamkeit wert. Kurz zur Info: Dj Muggs von Cypress Hill hat die Beats geschmiedet, GZA veredelt sie mit seinen Reimgebilden. Beide führen hier auf Albumlänge eine Zusammenarbeit fort, die sie auf dem ersten Soulassassins Projekt 1997 begonnen haben. Auf zwölf Tracks inklusive Intro wird man ein Stück weit in die Vergangenheit geführt. Muggs schwere Beats sind nicht altbacken, kommen aber in einem Soundgewand Mitte bis Ende der neunziger Jahre daher. Das stört aber nicht im Geringsten, es kommt sehr ehrlich und eigenständig rüber. „Those that’s bout it“ klingt tatsächlich original nach 1995, „Destruction of a guard“ ist Wu-Fever aus einer schon vergangenen Welt, „Exploitation of mistakes“ ist getragen von einer melancholischen Klaviermelodie und dreht sich um traurige Hintergründe von Verbrechen. „Illusory protection“ ist ein ganz schweres, deepes Ding, usw. Völlig daneben ist der „Attention“ Ruf auf „Advanced Pawns“. Zwölf mal kommt der immer gleiche Ausruf in zirka vier Minuten vor. Dabei ist der schon vom Soul Assassins Projekt gesamplet, demnach nicht einmal neu.

Auch wenn das Album nicht explizit politisch ist, hört man doch eine gesellschaftliche Analyse des Status Quo heraus. Die zentrale Aussage des Albums ist, dass unser aktuelles Dasein von Unsicherheit und Instabilität geprägt ist - wenn man denn ein gesamtes Album inhaltlich auf eine Message reduzieren will. Dies ist zwar weder für den Wu-Fan noch für den Wu-Abstinenzler Neuland, aber in der Tendenz eine immer noch vertretbare These.

Merkwürdig muten die Features an. Nur Wu-Family. Sogar der mittlerweile im Himmel Ginflaschenschwenkende ODB kommt kurz zu Wort, RZA und Raekwon gleich mehrfach. Aber weit und breit kein Sen Dog und kein B-Real. Ein Wu-Tang / Cypress Hill Posse Track wäre schon ein paar Rillen wert gewesen. Vielleicht beim nächsten Album. Insgesamt kann ich „Grandmasters“ vor allem denen empfehlen, die nicht jedem neuen Style hinterher jagen. Wer es klassisch und auf hohem Niveau mag, kann sich hier sorgenfrei bedienen.

Oliver Beenen

Do or Die – Do or Die (2005/Legion)

Do or Die - Do or Die

Ich kann mich erinnern, als ich mit ca. 11 Jahren anfing, gezielt durch die Plattenläden nach Rap-CDs zu streifen, stiess ich auch auf ne CD mit recht simplen Cover auf dem böse dreinblickende Leute in einem Chevy abgebildet warn. Ich hab damals nich reingehört, ich hatte keine Lust auf Gangsta-Rap, den ich dahinter vermutete und griff dann doch eher zur 2 Live Crew CD. Nun,ein knappes Jahrzehnt später gelangt mir doch mal eine CD dieser Crew von damals in die Hand ... schon beim Namen, geht man davon aus das es hier heftig und hart zu geht ... bis zum dritten Track werden meine Erwartungen auch erfüllt. Heftige Beats mit Drum-Gewitter und String-Attacken und Brecher-Doubletime-Flows die Kollegen Twista (Do or Die kommt ebenso aus Chicago) ebenbürtig sind ... und dann ... ein Remy Martin Feature auf einem "gaaaanz okayen" Track ... dann, der leider wohl obligatorische Kanye West (ebenfalls Chicago-Buddy) etc. pp. Nach dem geilen, finsteren Anfang, verläuft sich das Album in relativ seichten 60s Samples und etwas, das ich jetzt einfach mal als Rap-Ballade bezeichne. Auch R. Kelly kann nix mehr dran ändern, verschlimmert das ganze nur mehr. Na ja, immerhin hat mein erste Eindruck von damals gestimmt ... die Jungs können schon recht G'd up sein ... aber scheinbar sind sie nich mehr so hart wie damals ...

FauAhBee

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