69 BPM

HipHop in D-Land: Spezial 100 Grap

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Interview und Story mit 100 Grap

100 G - Saddam und Isme69 BPM begrüßt das 100g Rap Team! Stellt euch doch bitte erstmal alle vor!

Isme: 100gRap ist ein Indie Label aus NRW, bestehend aus Isme, Lanze, Spell Supreme, Saddam Russein, Känga, Noplan, Lilli, L-Mac, Nt und Lucky D. Dazu kommt noch eine Writer Crew ebenfalls aus NRW "DSK COPS" und die Breakdance Crew CrazyStyleRockaz aus Koblenz.

Ihr habt im Herbst letzten Jahres den zweiten Release eures jungen Labelsauf den Markt gebracht. Seit ihr bisher mit den Verkäufen und der Resonanzzufrieden?

Isme: Ja auf jeden Fall! Klar kann es immer mehr sein, aber wir haben unser erstes Tape "Aufstand - Anschlag Nr.1" ausverkauft, das heisst an der Zahl 300 Tapes in ca. 3-4 Monaten. Die Resonanzen auf unser Tape waren durchegehend positiv, weil es ja auch ziemlich vielfältig, und für jeden Geschmack was dabei war. Bei unserem neuen Release ist das schon etwas gespaltener. Manche finden es ist der Hammer und anderen gefällt es gar nicht. Aber auch hier konnten wir viel positives Feedback vermerken.

Saddam Russein: Die etwas niedrigen Verkaufszahlen liegen aber auch daran, dass wir keinen Vertrieb bis dato hatten, sprich wir mussten alles in Eigenregie in die Wege leiten. Die meisten CDs wurden direkt von Hand zu Hand verkauft bzw. auf Jams, auf denen wir gerockt haben. Will damit sagen, das sich die EP nicht soo gut verkauft, liegt nicht an der EP, denn die ist killah!" (lacht)

SaddamWas waren für euch die Beweggründe, sich zu einem Label zusammenzuschliessen und welche Chancen seht ihr, euch neben den schon bekannteren Labels & Acts in der deutschen Szene zu etablieren?

Isme: Also der Grund dafür war in erster Linie der, dass wir hier keine guten Möglichkeiten besaßen irgendwo Musik aufzunehmen. Und wir endlich mal unsere Musik richtig verbeiten wollten und wie man so schön sagt "wenn man etwas richitg gemacht haben will, muss man es selbst machen".

Saddam R.: Ja, das war so der Hauptgrund, der zweite war, wir hatten einfach zuviel Geld und wussten nicht wohin damit, also haben wir es in völlig überteuertes Equipment gesteckt. Nein mal im Ernst. Wir hätten zwar mit nem SM58 einige Demos aufnehmen und an irgendwelche Labels schicken können, aber das ist nicht unser Ding. Wir haben lieber selbst alle Zügel in der Hand und steuern unser Pferd lieber selbst, auch wenn das manchmal in regelrechten Stress ausartet. Was das etablieren angeht, mal schauen wohin der Weg führt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen werden. Hier im Rhein-Sieg-Kreis liegt ne Menge Potenzial begraben.

Wie kann man sich eine Live-Show von "100g Rap" vorstellen? Wo und wann kann man solche Shows erleben und wie sah das bei euch in der Vergangenheitaus?

Saddam R.: Ziehmlich verrückt auf jeden Fall und laut. Da rennen auf einmal 4 abgespacte Typen auf die Bühne und fucken gleich als erstes den Tontechniker an, dass er den Sound mal lauter drehen soll (lacht). Und kaum hat man sich versehen, stehen auch schon "2 Bekloppte Araba" in Bettlaken auf der Bühne und drohen den Schuppen in die Luft zu sprengen. Direkt vor der Bühne sorgen die Typen für blaue Augen und geprellte Rippen und weiter hinten werden Drogengeschäfte abgewickelt (lacht).

Meistens sieht man uns im JKC in Troisdorf, das war aber nicht immer so. Unser eigentliches Zuhause war das SJZ in Siegburg bis die Geschäftsleitung gewechselt hat. Aber wir sind auch ganz gut unterwegs. Wir waren schon z. B. in Bonn, Köln, Düsseldorf, Stuttgart usw.

Isme: Also in der Vergangenheit standen wir schon mit Leuten wie Curse, Torch, Toni L, PalOne, DerLange, DefBenski, Äi-tiem, Prophet of da City uvm auf der Bühne. Wir treten hauptsächlich im Moment im Köln/Bonner Umkreis auf, weil unsere meisten Hörer hier wohnen, und wir hier öfters gebucht werden. Aber wir sind regelmäßig irgendwo Live zu sehen, wenn Intresse besteht sollte man einfach unsere Seite beuschen www.100grap.com da stehen dann die nächsten Auftritte.

IsmeAuf welchen Aspekt der Musik achtet ihr vorranging, geht’s euch eher darum einen guten Sound herzustellen, der für die Leute gut zu hören ist, oder steht der Text im Vordergrund?

Saddam R.: Natürlich muss der Sound stimmen, aber das ist meiner Meinung nach zweitrangig. Was hab ich von nem dicken Sound, wenn ich den Text höre und mir die Kotze hoch kommt? Mir kommt es vor allem auf den Inhalt und die Reime an und das alles in sich schlüssig ist, nicht einfach 16 Lines dummer Sprüche aneinander geklatscht und schon steht der Part. Ich flashe z. B. tierisch auf Wortspiele, Vergleiche und Metaphern, aber leider scheinen gerade solche Sachen zu hoch für deutsche Heads zu sein oder sie wollen sie einfach nicht hören.

Isme: Mich flasht es am meisten wenn mich die Texte ansprechen, wenn der Text Bombe ist, dann darf der Flow ruhig mal schwächer sein, was aber nicht die Regel sein sollte.

Was haltet ihr von der verstärkten Diskussion um deutschen Gangsta-Rap. Existiert der für euch tatsächlich oder ist es doch nur ein künstlich geschaffener Begriff, wie geht ihr mit dem Thema um?

Saddam R.: Was wir von diesem ganzen Gehabe halten haben wir schon mittlerweile auf 3 Tracks gesagt. Einer davon auf der "Blackbox EP", "Dein Block", was aber keinesfalls NUR an Sido geht. Jedoch gehen wir das Thema anders an als z. B. Curse. Wir sehen, dass alles mehr ironisch und nicht so mit dem Zeigefinger.

Isme: Also Gangsta-Rap definiert sich bei mir nicht durch übertiebenes battlen, oder jemanden beleidigen bis zum geht nicht mehr. Wenn man hier aufwächst und die Chance auf alles hatte, aber es sich trotzdem versaut, weil man auf Gangsta machen will dann ist das lepsch. Ich definiere Gangsta Rap anders, und zwar wenn jemand wirklich Probleme hat, und in einer Gegend wohnt wo man ghettoisiert wird und kaum Chancen auf Besserung hat. Und deshalb Dinger dreht um überleben zu können und dann darüber in seinen tracks erzählt, dann ist das für mich Gangsta Rap!

Welche Rolle spielt die Competition für euch? Habt ihr schonmal insogenannten "Beefs" mit anderen Crews gesteckt wo es über die musikalischeEbene hinausging?

Saddam R.: Hm. Dieses Wort wird meiner Meinung nach viel zu leichtfertig benutzt. Beef hat nix mit Battle zu tun, jedenfalls nicht in erster Linie. Beef ist Krieg im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn du Beef hast, dann überlegst du dir zwei mal ob du um 22.00 Uhr noch zur Tanke Blättchen holen gehst. Was die musikalische Seite angeht, hatten wir nicht wirklich "Beef" mit jemandem. Klar gab's schon öfter Stress, aber das ist alles Kinderkacke. Wir versuchen eher mit den Leuten, die wir kennenlernen und auf deren Mucke wir fliegen zu connecten, die andern können uns einen blasen (lacht).

Isme: Ja, da hat Saddam schon recht, also auf musikalicher Ebene bin ich noch nie "gedisst" worden, aber Stress mit anderen Musikern im Backstage, kommt schon vor ... (grins). Aber wir arbeiten ja auch mit vielen anderen Leuten zusammen die nicht zu 100g Rap gehören, man sollte schon versuchen, sich nicht zu viele Feinde auf seinem Weg zu machen.

Was steht in Zukunft bei 100g Rap alles an? Welche Pläne habt ihr?

Isme: Produktions-technisch kommt bald unser Sampler und eine EP von Saddam Russein und mir unter dem Namen 100GmbH. Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen weiterhin gute Musik zu produzieren und in Deutschland zu verbreiten. Und später eventuell mal über 100g InFlame Partner Events größere Events in ganz Deutschland zu veranstalten.

Wie sieht euer Tagesablauf aus, wenn man die Musik ausklammert?

Saddam R.: Yo, also erstmal auspennen bis 2, definitiv! Vor 2 geht gar nix. Außer meine Semesterferien gehen zu Ende und ich muss meinen Arsch in die Uni bewegen. Dann ist Stress pur angesagt. Früh aufstehen, den Bus kriegen, die Bahn nicht verpassen, nach dem Kontro Ausschau halten und nebenbei noch ein bißchen Crack verticken (lacht). Den Rest des Tages häng' ich dann zu Hause mit meiner Freundin und chill'.

Isme: Also, ich organisiere mehr und produziere hauptsächlich zur Zeit den halben Tag lang. Wenn ich nicht grade das Studio überfüllt habe, bin ich am schreiben oder häng mit meinen Jungs ab.

Vielleicht möchtet ihr unseren Lesern noch erklären was hinter euremNamen "100g Rap Records" steckt!?

Saddam R. Die Frage beantwortet am besten unser Gealer." (Anmerkung: Kein Tippfehler, es heißt wirklich Gealer.)

Isme: 100g Rap steht für 100gramm Rap, und nicht wie viele denken für Gangster. Der Name ist enstanden weil wir damals alle keine Kohle hatten für Equipment und wir dann halt mit W**d Geld machen musste. Und da damals alles mit 100g angefangen hatte, haben wir uns entschlossen es auch so zu benennen."

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